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ISSN 2199-9430

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Hidden Champions – Die unbekannten Weltmarktführer

Neben einem sehr erfolgreichen Mittelstand, der oftmals als das Rückgrat der deutschen Wirtschaft genannt wird, zeichnet sich Deutschland durch viele Unternehmen aus, die zu den sogenannten Hidden Champions gezählt werden. Der Begriff Hidden Champion geht dabei auf Hermann Simon zurück, der diesen 1990 in einer Publikation erstmals prägte (vgl. hierzu Simon (2012)). Hidden bezieht sich dabei auf unbekannt und Champions auf die Tatsache, dass die jeweiligen Unternehmen zu den Weltmarktführern in ihrer Nische bzw. Branche gezählt werden. Somit handelt es sich bei den Hidden Champions letztlich um „unbekannte Weltmarktführer“. Simon zeigt genauer vier Merkmale auf, die ein Unternehmen zu einem Hidden Champion machen:

  • Zu den führenden drei Unternehmen in der jeweiligen Branche auf dem Weltmarkt gehören
  • Der führende Anbieter auf dem Heimatkontinent sein
  • Einen Jahresumsatz von unter drei Milliarden Euro aufweisen sowie
  • Eine oftmals geringe Bekanntheit bedingt durch das Angebot in einer Nische aufweisen.

Neben diesen Charakteristika haben Hidden Champions noch weitere Eigenschaften gemein. So zeichnen sich viele der Hidden Champions durch ein hohes (Umsatz-)Wachstum aus. Weiter ist der überwiegende Teil dieser Unternehmen international tätig. Das hohe Umsatzwachstum wird dabei oftmals durch die internationale Expansion bedingt. Weiter zeichnen sich Hidden Champions durch eine hohe Innovationsrate und eine hohe Anzahl an bestehenden Patenten aus. Auch ist vielen der Weltmarktführer gemein, dass die Fluktuationsrate sehr gering ist. Die Unternehmen schaffen es ihre Talente zu halten und stetig weiterzubilden. Das ist auch deshalb ein Erfolgsbestandteil, da Hidden Champions bekanntlich weitgehend unbekannt sind und somit auch eine größere Herausforderung haben qualifizierte Arbeitnehmer anzuwerben als beispielsweise die bekannten börsennotierten Konzerne. Letztlich handelt es sich bei den deutschen Hidden Champions zu einem Großteil um Familienunternehmen. Prominente Beispiele für Hidden Champions sind unter anderem der Reinigungsgerätehersteller Kärcher aus Winnenden, der Hersteller von Tunnelvortriebsmaschinen aus Schwanau Herrenknecht sowie die Unternehmensgruppe OttoBock aus Duderstadt. 

Wirft man einen Blick auf das weltweite Phänomen Hidden Champions so fällt auf, dass diese Art der Unternehmen überproportional häufig in Deutschland vorkommen. Je nach Definition und Studiendesign gehören bis zu 1.500 Unternehmen in Deutschland zu den Hidden Champions. Das ist deswegen so bemerkenswert, da die im Ranking folgenden Nationen USA und Japan nur ein Drittel bzw. ein Viertel Hidden Champions beheimaten.

Der Grund, warum gerade Deutschland so viele unbekannte Weltmarktführer aufweist, ist nicht eindeutig zu benennen. Es gibt jedoch verschiedene Vermutungen. Zum einen wird das Phänomen auf die früher stark vertretenen Fürstentümer zurückgeführt, die dafür gesorgt haben, dass die Kaufleute, um wirtschaftlich erfolgreich sein zu können grenzüberschreitend handeln mussten. Zum anderen wird der starke Mittelstand als Grund für das überproportionale Vorkommen von Weltmarktführern angesehen. Letztlich argumentieren andere Wissenschaftler, die deutschen Tugenden und die deutsche Kultur seien dafür verantwortlich, dass gerade Deutschland über eine hohe Anzahl an Hidden Champions verfügt.

Doch wie schaffen es die Hidden Champions langfristig die Spitzenposition zu halten? Das Steinbeis-Transferzentrum Institut für Management-Innovation (2016) hat dies mithilfe einer Studie unter 34 Geschäftsführern sowie 153 Führungskräften von Hidden Champions untersucht. Herausgekommen ist, dass erfolgreiche Hidden Champions vor allem folgende Verhaltensweisen ihren Mitarbeitenden gegenüber an den Tag legen:

  1. Die Entwicklung persönlicher Kompetenzen und Perspektiven wird gefördert
  2. Die Zielerreichung wird gefördert
  3. Fairness unter den Kollegen wird gefördert
  4. Verantwortungsbewusstsein wird in der Unternehmenskultur verankert
  5. Jeder Mitarbeiter wird dabei unterstützt zu erfahren, wie er zum Unternehmenserfolg beitragen kann.

Dr. Jan Tänzler

 

Literatur:

Simon, H. (2012): Hidden Champions - Aufbruch nach Globalia : die Erfolgsstrategien unbekannter Weltmarktführer / Hermann Simon. Frankfurt am Main. Campus.

Steinbeis (2016): Führen wie die Hidden Champions. Abrufbar unter: https://www.steinbeis.de/de/publikationen/transfer-magazin/ausgabe-012016/fuehren-wie-die-hidden-champions.html. Abgerufen am 1.9.2021

 

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