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ISSN 2199-9430

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Kollegiale Fallberatung – das Praxisgespräch als Instrument zur Führungskräfteentwicklung

Führung ist oft ein sehr individueller Prozess, in dem vieles implizit abläuft (Vgl. Hecht 2021). Die Herkunft von Problemen im Führungsalltag ist nicht immer offensichtlich (Vgl. Pelz 2004). Ein strukturiertes Praxisgespräch kann helfen, die Herkunft solcher Probleme zu finden und den gemeinsamen Erfahrungsschatz von Managern und Managerinnen explizit zu machen und zu nutzen (Vgl. Brinkmann 2002). Die folgenden Schritte der kollegialen Fallberatung und zugehörigen Formulierungsregeln sollen Ihnen als Führungskraft Struktur geben sowie einen Perspektivenwechsel fördern, um bei Ihren Managementherausforderungen Lösungsideen konstruktiv zu formulieren (Vgl. Hecht 2021):

In der ersten Phase der kollegialen Beratung wird das eruierte beziehungsweise vorab gemeinsam festgelegte Problem beschrieben. Die falleinbringende Führungskraft spricht und schildert präzise die Situation (Wer? Wann? Was? Mit wem?). Die Gruppe der übrigen Manager/innen hört vorerst nur zu. Nach der präzisen Beschreibung des Problems können die Zuhörenden nachfragen sowie Informationen und Details einholen, die ihnen wichtig erscheinen.

Im nächsten Schritt erfolgt dann die Identifikation mit den am Fall beteiligten Führungskräften. Die Zuhörenden reagieren zunächst mit einem „Blitzlicht“ (Vgl. Peterßen 1999) auf den Bericht, indem sie zum Beispiel eigene emotionale Reaktionen beim Zuhören benennen. Der  oder die falleinbringende Manager/in schweigt zunächst. Es folgt die Betrachtung des Falles aus unterschiedlichen Perspektiven; die zuhörenden Führungskräfte versetzen sich dabei in die Rolle der Fallbeteiligten, um auf diese Weise vielfältige, mögliche Motive, Interessen etc. der Beteiligten aufzuzeigen („Ich als…“). Projektionen eigener Erfahrungen oder Vermutungen sind erwünscht, da sie helfen, die Wahrnehmungen der ratsuchenden Managers oder der Managerin zu erweitern. Der oder die Falleinbringer/in schweigt weiterhin. In der anschließenden Phase nimmt die ratsuchende Führungsperson Stellung. Sie hat so die Möglichkeit, zu den unterschiedlichen Äußerungen Stellung zu beziehen; hierdurch wird den Zuhörenden die Sicht der ratsuchenden Person verdeutlicht und die Phase der Lösungssuche wird vorbereitet.

In dieser Phase können die Zuhörerenden nun konkrete Lösungsvorschläge formulieren („Ich als…werde…“, wichtig hierbei: Konjunktiv vermeiden). Am Ende der kollegialen Beratung bietet sich für die falleinbringende Person in einer Abschlussrunde  die Möglichkeit, zu den Lösungsvorschlägen Stellung zu nehmen, indem er oder sie den Zuhörerenden mitteilt, welche Lösungen passen und welche sie realisieren möchte. Hiernach stehen bei der vorliegenden Beratungsform die individuellen beruflichen Herausforderungen und Unsicherheiten der Manager und Managerinnen im Fokus, insofern es bei diesem Instrument zur Führungskräfteentwicklung um die Reflexion des eigenen Führungsverhaltens geht. Somit können konkrete Fragestellungen gemeinschaftlich in der Gruppe thematisiert sowie kreative Lösungswege erarbeitet und gegenseitig Rückmeldungen auf das eigene Managementverhalten in einer wertschätzenden und vertrauensvollen Atmosphäre gegeben werden.

 

Brinkmann, R. D. (2002): Intervision. Ein Trainings- und Methodenbuch für die kollegiale Beratung, Heidelberg.

Hecht, M. (2021b): Kollegiale Fallberatung – Praxisgespräch für Verwaltungsmitarbeiter (https://www.kbw.de/seminar/kollegiale-fallberatung-praxisgespraech_SOG207), Berlin.

Pelz, W. (2004): Kompetent führen, Wiesbaden.

Peterßen, W. H. (1999): Kleines Methoden-Lexikon, München.

 

Dr. Marvin Hecht

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